Ich befasse mich schon seeeehr lange mit dem Thema Wein. In meiner Kindheit spielte der Rebensaft schon eine große Rolle. Mein Vater hat uns Kinder immer mal probieren lassen. Viele werden jetzt den Kopf schütteln, Wein und Kinder?! Es waren andere Zeiten und auf dem Land in Rheinhessen, gehörte Wein schon immer zum Alltag.
Außerdem war es in meiner Kindheit und Jugend ganz selbstverständlich, mit in den Wingert zu gehen, beim Rebschnitt, beim Biegen, beim Hacken und natürlich ganz besonders in der Zeit der Weinlese zu helfen. Während die Jungs eher scharf waren aufs Butt tragen, Traktor fahren und keltern, mischte ich eher beim Lesen mit der Schere mit. So wurden Eimer für Eimer die tollen Trauben, die auch sehr gut schmeck(t)en, in die Butt gefüllt, zum Traktor geschleppt und in die große Bütte geleert. Die Pausen waren immer ein besonderes Highlight, mit Vesper und gutem Essen an der frischen Luft. Und man hatte auch immer ein bisschen Geld in der Tasche, nach der Arbeit im Weinberg.
Mein Opa war Wingertschütz und verteidigte die leckeren Pergel vor den Staren mit Schreckschusspistole und Aufmerksamkeit. Ich durfte ihn rotkäppchenmäßig, den Korb mit Essen und einer Flasche Wein zum Wingertshäuschen bringen. Zu der Zeit waren auch noch viele Menschen im Weinberg, zur Zeit der Lese, denn es wurde nur mit Hand geerntet, gesungen und erzählt.
Die Trauben kamen ins Kelterhaus, wo der Winzer seine lange Arbeit anfing aus dem Traubenmost einen guten Wein zu machen. Bis so ein Tropfen in der Flasche landet, braucht es viel Geduld, Fachwissen und Liebe. Deswegen sehe ich die Produktion von Wein auch als Kunst.
Unangefochten! Und da kommen wir zum Thema: Poesie in Flaschen!
In jeder Flasche Wein stecken die Rebsorte, die Sonne, der Boden, das Wetter und ganz viel Können des Winzers, der Winzerin. Wein ist Natur und Liebe, in Flaschen verpackte Freude am Produkt.
So mancher Wein erweckt im Gaumen ganze Feuerwerke an Aromen, man schmeckt die Erde (Terroir), die Früchte. Jeder Wein ist für sich ein Kapitel im großen Buch der Aromen und jeder Jahrgang eine neue Herausforderung an Mensch und Gerät. Im Reifeprozess entstehen die Verse, die den Wein zum Gedicht machen.
Erst dann kommt die Poesie in Flaschen.
Prost, die Selztalerin